Geschichte
Während der Geschichte der Menschheit gab es viele Orakel, die von einer Unzahl von Sterblichen und einigen Unsterblichen konsultiert wurden. Der grosse Herkules wurde vom Orakel von Delphi angewiesen, dem mykenischen König Eurystheus fuer zwölf Jahre zu dienen, um für den Mord an seinen Kindern zu büssen. Das Orakel von Ammon sagte dem König Cepheus, er solle seine Tochter Andromeda an die Klippen von Joppa schmieden, um das schreckliche Seeungeheuer, das die Küsten verwüstete, zu besänftigen. Diese Lösung wurde allerdings nie erprobt, da Perseus Andromeda im letzten Augenblick noch erretten konnte.
Mit dem Kommen des elektronischen Zeitalters und vor allem der überschnellen E-Mail-Verbindungen fand das Wesen des Orakels neue Möglichkeiten sich zu manifestieren, und seither kennt man das Usenet Orakel.
Lokale Orakel-Programme haben an verschiedenen Orten während vieler Jahre existiert. Die meisten können ihren Ursprung bis zum ersten Orakel-Programm von Peter Langston (psl@acm.org) zurückverfolgen, oder sie wurden zumindest durch dieses beeinflusst. Das ursprüngliche Orakel wurde für das V5 Unix System im Harvard Science Center um 75-76 geschrieben und als Teil der 'psl games' Distribution an andere Orte verteilt. So z.B. zu den Murray Hill Bell Labs, Interactive Systems und Lucasfilm. Lars Huttar (huttar@occs.oberlin.edu) benutzte eine Beschreibung dieses Programms, um sein eigenes Orakel zu entwickeln, welches im August 1989 in alt.sources veröffentlicht wurde. Dieses Programm war dann die Inspiration zum Usenet Orakel.
Alte Legenden gingen von folgendem Sachverhalt aus, der nach heutigen Kenntnissen nicht mehr zutrifft:
Nach Hörensagen soll Hutter sein Orakel geschrieben haben, nachdem ihm die Beschreibung des Orakel-Programms von `Murray Hill Bell Labs', welches vielleicht von Robert T Morris geschrieben wurde, zukam. Andere frühe Orakel-Programme fand man bei Interactive Systems (von Peter S Langston circa 1980), an der John Hopkins University (betrieben von Erica Liebman circa 1984) und ein anderes von Morris an der Harvard University.
Steve Kinzler (kinzler@cs.indiana.edu), Student und System-Administrator an der Indiana University, installierte Huttar's Program auf silver.ucs.indiana.edu, wo es sich als recht populär erwies. Die besten Orakularitäten wurden in in.bizarre veroeffentlichet, eine lokale Newsgroup in Indiana.
Ray Moody (moody@pittpa.cray.com), ein Student an der Purdue University, schrieb die Software für das Usenet Oracle, ein mail-basiertes Orakel-Programm, das auf uvax.cs.indiana.edu läuft und aller Welt zugänglich ist. Es wurde ein unmittelbarer Erfolg.
Kinzler setzte die Entwicklung der Software fort, fügte Unterstützung fuer das Veröffentlichen der Orakularitäten und verwandte Prozesse hinzu und kreierte die Orakel Priesterschaft, die all die Fragen und Antworten liest, jede Woche die Besten zusammenstellt und so auch dafür sorgt, dass das amerikanische Orakel selbsterhaltend ist. Jon Monsarrat (jgm@cs.brown.edu) und Randal Schwartz (merlyn@iwarp.intel.com) waren an der Weiterentwicklung des Systems beteiligt. Michael Nolan (nolan@helios.unl.edu) erzeugte die Newsgroups rec.humor.oracle*.
Im Oktober 1993 schrieb Germano Caronni (caronni@olymp.org) das Orakel nach der Vorlage der alten Quelltexte neu. Das neue Orakel erlaubt nun mehrfache Antworten auf eine Frage und passt sich auch sonst gewissen Bedürfnissen an, die mit der Zeit entstanden waren. Digests und Votings wurden im Februar 1994 in das Orakel integriert.
Diese neue Orakel-Software ist es auch, die nun das deutsche Orakel bildet. Lothar Fritsch (fritsch@fsinfo.cs.uni-sb.de) bemühte sich im Januar 1994 erfolgreich, die Newsgroup de.rec.orakel entstehen zu lassen und hat für einen grossen Teil des harten Kerns der Priesterschaft gesorgt. Anfang Februar 1994 entstand das Archiv der Orakularitäten.
Im Januar 1995 zog das Orakel von der berühmt-berüchtigten Nessie (nessie.cs.id.ethz.ch) aufgrund eines Hardware-Defekts dieses Rechners auf eine Sun um und ist seither als orakel@olymp.org zu erreichen.
Das Orakel verbreitete sich weiter, neben einer amerikanischen (oracle@cs.indiana.edu) und einer deutschsprachigen Version existierte auch ein finnisches (oracle@cs.hut.fi) Orakel.
Natürlich sind es die Tausende von Orakel-Teilnehmern, die über all die Jahre hinweg die 'Persönlichkeit' des Orakels kreiert haben, seinen Mythos und auch seine Geschichte.
Lang lebe das Usenet Orakel! (in all seinen Inkarnationen)
Credits
Eine Danksagung für die originalen Texte, den Quelltext des 'alten' Orakels, und die Billigung des deutschsprachigen Orakels gebührt Steve Kinzler, der das Original Usenet Oracle betreibt.